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© Amir Hassan Cheheltan
Ausschnitt aus der
"Ehrengast China"
– die gebotene Kommentierung durch das P.E.N.-Zentrum Deutschland
Das P.E.N.-Zentrum Deutschland (P.E.N. - Poets - Essayists - Novelists) ist Teil einer internationalen
Schriftstellervereinigung, die am 5. Oktober 1921 von der Schriftstellerin Catherine Amy Dawson Scott in London gegründet wurde. Der International
PEN setzt sich mit weltweit 145 PEN-Zentren für Meinungsfreiheit auf der Grundlage der PEN-Charta ein. Der Sitz vom International PEN ist in London.
Hier mit Herbert Wiesner, Generalsekräter P.E.N.-Zentrum Deutschland, und dem persischen Autor Amir Hassan Cheheltan
Dolmetscherin: Dr. Susanne Baghestani
Abschrift und O-Ton
- Es gilt das gesprochene Wort -
Herbert Wiesner:
So, wir machen einen Schwenk in den Iran. Ich wende mich Amir Hassan Cheheltan zu. Er hat einen vielfach jetzt sehr gewürdigten,
in vielen Rezensionen gelobten Roman „Teheran Revolutionsstrasse“ geschrieben. Der Titel könnte im Moment etwas täuschen. Dieses Buch, das im Kirchheim
Verlag in München erschienen ist, das ich Ihnen sehr empfehle, ist nun nicht ein aktueller Bericht über die Straßenkämpfe in Teheran, die wir
gesehen haben. Das ist sozusagen eine Hintergrundsgeschichte. Da wird geschildert, wie eine Gesellschaft lebt und denkt, die Verhältnisse, die wir alle im
Fernsehen dann gesehen haben, überhaupt erst produzieren kann. Das ist also sozusagen die gesellschaftliche Grundlage, die dieser Roman auf eine erschreckend
schöne Weise, auf eine schaurige Weise auch, aber ich meine das schaurig nicht ästhetisch, sondern von den Inhalten her, uns hautnah bringt und dem
Leser also zu schaffen macht. Und trotzdem empfehle ich dieses Buch sehr. Ich möchte aber nun über diese Gesellschaft von Ihnen, Herr Cheheltan, etwas
erfahren. Wie wird sie heute zu Lösungen kommen?
Amir Hassan Cheheltan:
Zunächst möchte ich meine Solidarität mit den chinesischen Autoren, die hier anwesend sind oder die sonstwo in China
leben, erklären. Als mein chinesischer Kollege über die Lage des Publizierens und der Zensur in China berichtete, habe ich über die Ähnlichkeiten
und die Unterschiede zu der Lage im Iran nachgedacht und im Unterschied zu China darf im Iran nicht einmal Erotik publiziert werden.

v.l.n.r.: Shi Ming (Dolmetscher),
Zhou Qing, Dirk Sager,
Herbert Wiesner, Dr. Gottfried Honnefelder,
Amir Cheheltan und Dr. Susanne Baghestani (Dolmetscherin)
- Vergrößerung in einem separaten Fenster -
Trotz alledem konnte die Regierung im Iran, das Regime, nicht den freien Informationsfluss unterbrechen und insbesondere die jüngsten Ereignisse sind ein deutliches Beispiel für diese Tatsache. Im Iran ist ein regelrechter elektronischer Kampf ausgebrochen. Zum Beispiel kann man, wenn in Teheran oder anderen Städten demonstriert wird in den Universitäten, nur wenige Minuten später die Ereignisse auf You Tube live im Internet verfolgen. Und zwar, weil jeder iranische Jugendliche, der über ein Mobiltelefon verfügt, im Grunde genommen ein Reporter ist und diese Ereignisse aufnimmt und weiterleitet. Um zu einer richtigen Einschätzung der Ereignisse zu gelangen, müssen wir die hundertjährige historische Entwicklung im Iran verfolgen und die dreht sich im Wesentlichen nur um das Erlangen der Freiheit des Volkes und Selbstbestimmung der iranischen Bevölkerung im Kampf um diese Befreiung. Die iranische Gesellschaft ist aktiv und lebendig und sie hatte eine verborgene Hälfte, die den westlichen Medien immer verborgen geblieben ist. Die Regierung hat im Iran immer wieder versucht, zu behaupten und darzustellen, dass das iranische Volk aus lauter Untergebenen und getreuen Soldaten dieses Regimes besteht. Die Propaganda verbreitete das Bild eines Volkes, das stets bereit sei, die Regierung und ihre Maxime zu verteidigen. Leider haben die westlichen Medien zur Verstärkung dieses falschen Bildes beigetragen und es unterstützt. Die jüngsten Ereignisse zeigen, dass das iranische Volk weit größere Potentiale besitzt, die bisher unerkannt geblieben sind. Um die Gründe für die jüngsten Ereignisse in Kürze anzuführen, möchte ich nun einen Rückgriff machen auf die Revolution von 1979, bei der die städtische Bevölkerung, die urbane Bevölkerung nach sehr kurzer Zeit von den Bewohnern der armen Vororte und von den Dorfbewohnern verdrängt worden ist. Insbesondere gilt das eben für die Mittelklasse. In den letzten dreißig Jahren hat sich aber eine neue Mittelklasse formiert, die auf nationale Selbstbestimmung und persönliche Freiheiten pocht. Dies insbesondere in Anbetracht der Tatsache, dass sechzig Prozent der Bevölkerung unter dreißig Jahre alt ist und zwölf bis fünfzehn Millionen davon akademische Bildung genießen. Das heißt, es ist eine neue Mittelklasse entstanden aufgrund dieses hohen Ausbildungsgrades. Und was wir heute sehen, ist die friedliche Anwesenheit einer stolzen iranischen Jugend.
Herbert Wiesner:
Ich würde das so mal stehen lassen jetzt. Vielen Dank! Ich möchte Sie darauf hinweisen, Amir Cheheltan ist beteiligt an den
Vorbereitungen einer Veranstaltung, die der PEN am 17. November in Berlin macht, im Haus der Berliner Festspiele. "Poesie ist Befreiung", ein Abend für die
Verfolgten im Iran. Dort werden berühmte Schauspieler Texte der iranischen Literatur, der persischen Literatur auch, lesen. Dirk Sager ist der Planer, der
Chefplaner dieser Veranstaltung.
_________________________
Abschrift Redaktion radio-luma
Der O-Ton zur Abschrift als Ausschnit aus der Pressekonferenz - Länge: 11:25 - als mp3-Datei in drei Größen:
192 KB/s - Größe rd. 16 MB
URL: http://www.o-ton.radio-luma.net/mp3/2009-10-15-pk-pen-germany-amir-hassan-cheheltan-192.mp3
96 KB/s - Größe rd. 8 MB
URL: http://www.o-ton.radio-luma.net/mp3/2009-10-15-pk-pen-germany-amir-hassan-cheheltan-96.mp3
48 KB/s - Größe rd. 4 MB
URL: http://www.o-ton.radio-luma.net/mp3/2009-10-15-pk-pen-germany-amir-hassan-cheheltan-48.mp3
Buchbeschreibung hier im Archiv:
Amir Hassan Cheheltan - "Teheran Revolutionsstrasse"
Weitere Information hier im Archiv:
Portrait: Amir Hassan Cheheltan, von Dr. Susanne Baghestani
Vita von Dr. Susanne Baghestani
Vita von Dr. Gottfried Honnefelder
Den WRITERS-IN-PRISON-BERICHT zur Buchmesse von Dirk Sager, Vizepräsident und Wrlters in Prison-Beauftragter des P.E.N. -Zentrums Deutschland erreichen Sie hier: WRITERS-IN-PRISON-BERICHT, mit der Möglichkeit zum Download des Berichts als PDF-Datei.

v.l.n.r.: Shi Ming (Dolmetscher),
Zhou Qing, Dirk Sager,
Herbert Wiesner, Dr. Gottfried Honnefelder,
Amir Cheheltan und Dr. Susanne Baghestani (Dolmetscherin)
- Vergrößerung in einem separaten Fenster -
Die dreisprachige Internetpräsenz von Amir Hassan Cheheltan erreichen Sie unter: www.cheheltan.com.
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