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Erich-Fromm-Preis 2006 Abschrift der Begrüßung Dr. Wolfgang Ostberg
Fotos: © Süddeutsche Zeitung Dr. Wolfgang Ostberg Sehr verehrte Frau Professor Limbach, es freut mich sehr, Ihnen die Grüße der Landeshauptstadt Stuttgart überbringen zu dürfen, Grüße unseres Oberbürgermeisters Dr. Schuster, Grüße unseres Gemeinderats, Grüße natürlich aus meinem Bereich, dem Kulturreferat. Ich begrüße Sie zu einem großen und großartigen Unternehmen, zur Verleihung - zur erstmaligen Verleihung - des Erich-Fromm-Preises 2006, zur Laudatio und zur Erich-Fromm-Lecture 2006. Das Programm, meine Damen und Herren, heute Abend ist groß und so will ich strikt bei meinen Leisten bleiben: Bei Gruß und Dank und bei wenigen kurzen Überlegungen zur Ansiedlung eines neuen Preises hier in Stuttgart. Ein Preis - zumal wenn er neu in der
großen Landschaft der Kulturpreise
in unserer Republik auftritt - definiert sich durch verschiedene Qualitäten.
Derer gibt es zumindest drei: Die Definition und Intention dieses Preises ist klar: Er definiert sich von seinem Namensgeber her, dessen Person, seinem Gedankengut, seiner humanistischen Haltung in der vielfachen Spiegelung und auch Brechung mit den ihm wichtigen, auch heute noch wichtigen, mit generell aktuellen gesellschaftlichen Problemen. Hier steht der Name von Erich Fromm für den großen und von ihm auf seine Art großartig dargestellten Gedanken einer umfassenden Menschlichkeit und eines Bewusstseins für unsere Umwelt in Gesellschaft und Natur und für den ihm immer wichtigen Diskurs darüber. Ein solcher Preis findet dann seinen Ort. Wir sind glücklich, dass dieser Ort Stuttgart ist, eine Stadt eben nicht nur der Industrie, der Erfindungen, des Kommerz, sondern auch eine Stadt der Kultur - einer nicht prononciert herausgestellten, aber durchaus reichen Kultur - , eine Stadt ebenso der Wissenschaft, der Hochschulen, eine Stadt mit zwei Universitäten. Und Stuttgart besitzt nicht nur eine „Kulturlandschaft“, sondern einer „Preislandschaft“. Hier gibt es Preise – zu großen Teilen beträchtlich seitens der Stadt getragen und unterstützt – von einigem Gewicht, vielleicht nicht die spektakulärsten in unserer Republik, aber immerhin beachtliche. Preise in allen Sparten des Kulturbetriebs und darüber hinaus. Natürlich eine Vielzahl kleinerer, so etwa einen für Karikaturen, für Chansons, für Kabarett. Schon gewichtiger ist der Stuttgarter Theaterpreis. Dann gibt es aber etwa den Stuttgarter Kompositionspreis, einen Förderpreis, der immerhin schon 50 Jahre besteht und dessen Preisträgerliste sich liest wie das „Who is Who“ der zeitgenössischen Musik. Aus dem Vermächtnis eines Künstlers selbst stammt der Molfenter-Preis, der das Lebenswerk eines bildenden Künstlers auszeichnet. Schließlich gibt es – und wir nähern uns damit dem Bereich, der heute abend im Focus ist – unseren Literaturpreis, neuerdings benannt als Johann-Friedrich-von-Cotta-Literatur- und Übersetzerpreis, anknüpfend an die große Verlagstradition unserer Stadt und befasst in erfreulicher Weise sowohl mit den Schriftstellern ebenso wie mit den oft zu gering geschätzten Übersetzern. Ausgespart ist hier freilich der Bereich der politischen, der wissenschaftlichen, der Sachliteratur. Und schließlich haben wir hier natürlich unseren Hegel-Preis, der im Wechsel ein philosophisches Lebenswerk und eine soziologische Lebensleistung auszeichnet und – seit Bruno Snell und Jürgen Habermas - mit großen und größten Namen aufwarten kann. In diese „Preislandschaft“ hinein kommt n u n der Erich-Fromm-Preis als ein neuer Aspekt, eine neue Facette, eine Landmarke und als eine in vieler Hinsicht höchst sinnvolle und hoffentlich auch wirkungsvolle Ergänzung. Dabei ist natürlich zu sehen und – durchaus zuversichtlich - zu erwarten, wie er sich hier und in bundes- und weltweiter Sicht weiterentwickelt wird durch die vorgegebenen Intentionen, aber natürlich auch durch die Personen, die diesen Preis bestimmen, das heißt, die Erich-Fromm-Gesellschaft, durch die mit ihrer Auswahl prägende Jury und dann insbesondere durch die Preisträger selbst und die Laudatoren, die die Richtung dieses Preises ganz wesentlich bestimmen und bestimmen werden. Gerade im Blick darauf finde ich die Gründung dieses Preises und seine Verbindung mit unserer Stadt sehr schön und erfreulich. Dieser Preis deckt einen wichtigen und zentralen Bereich der aktuellen Fragestellungen in unserer Gesellschaft ab, und ich bin überzeugt, dass gerade durch die erste Preisvergabe ein sehr wichtiges Zeichen gesetzt wird, in dem kluger, reflektierter, verantwortungsvoller und verantwortungsbewusster Journalismus ausgezeichnet wird. Eine erste wichtige Zielmarkierung wird gesetzt, in dem heute zwei Persönlichkeiten ausgezeichnet werden, die journalistische Tätigkeit eben nicht als eine Publizistik begreifen, die ihre Wirkung am Tag entfalten soll – als Jour-nalismus - sondern die darüber hinaus auch die langfristige Wirkung und Verantwortung ernsthaft im Blick hat: Ein wichtiger Aspekt gegenüber dem sehr schnellen und harten Urteil etwa von Helmut Schelsky, bei Journalisten handle es sich um nichts mehr als einen Stand, der Macht ausübt, aber keine Verantwortung dafür trägt... Meine sehr verehrten Damen und Herren. Dies ist ein guter Start für einen neuen Preis, der nicht nur einen wichtigen und interessanten Punkt im „Preisgefüge" unserer Stadt besetzt, sondern weit darüber hinaus Maßstäbe setzt und hoffentlich – sicherlich – Beachtung findet. Unsere Stadt schmückt sich gerne mit ihm und mit denen, die dieser Preis schmückt. Wir bedanken uns für die große, engagierte, mutige Mühe bei der Begründung und Erstausrichtung. Dank und Glückwunsch der Internationalen Erich-Fromm-Gesellschaft für diese hervorragende Aktivität! Wir beglückwünschen aber vor allem natürlich heute Abend die Preisträger: Ihnen Herr Leyendecker und Ihnen Herr Dr. Prantl eine herzlichste Gratulation. Dem Erich-Fromm-Preis wünsche ich eine gute Zukunft. Und Ihnen, meine Damen und Herren noch einen interessanten und guten Abend. ... zuerst nun einmal mit dem erst jüngst 70 Jahre jung gewordenen Wolfgang Dauner ... Veröffentlichung dieser Seite am 10. März 2006 |
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