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Erich-Fromm-Preis 2006 Zwei Federn gegen den Abbau von Demokratie und Solidarität - Startseite der Dokumentation
mit O-Ton und Abschriften der Reden zur Preisverleihung
Fotos: © Süddeutsche Zeitung ________________________________ ________________________________ Pressemitteilung der Internationalen Erich-Fromm-Gesellschaft Am 9. März 2006 wurde im Weißen Saal des Stuttgarter Neuen Schlosses erstmals der mit insgesamt 10.000 € dotierte Erich Fromm-Preis verliehen. Preisträger sind Hans Leyendecker und Heribert Prantl, die als leitende Redakteure für die Süddeutsche Zeitung arbeiten und sich durch Aufsehen erregende Sachbücher einen Namen gemacht haben. Gestützt auf einen investigativen und fairen Journalismus zeigen sie Hintergründe des schleichenden Abbaus von Bürgerrechten und sozialer Gerechtigkeit auf. Ihre gründliche Kenntnis in weitgesteckten Themenfeldern der Innen-, Sozial, Rechts- und Außenpolitik schärfen den Blick für die wachsende Bedeutung eines humanistischen Engagements. Die Laudatio der „Internationalen Erich Fromm-Gesellschaft“ mit Sitz in Tübingen, der 650 Wissenschaftler und Interessenten aus aller Welt angehören, hebt hervor, dass Hans Leyendecker und Heribert Prantl die Tradition der Aufklärung couragiert fortsetzen. Das humanistische Denken Erich Fromms (1900-1980) werde aktueller und brisanter, je stärker Menschen der Gefahr ausgesetzt sind, durch den Markt manipuliert oder durch den Staat bespitzelt und bevormundet zu werden. „Liberalität korrespondiert stets mit Selbstsicherheit. Angst
ist eine Autobahn für Sicherheitsgesetze.“ Diese Erkenntnis
nimmt Heribert Prantl (*1953), der vor seiner Tätigkeit für die
Süddeutsche Zeitung Richter und Staatsanwalt war, zum Leitfaden seines
Buches mit dem Titel Verdächtig. Der starke Staat und die Politik
der inneren Unsicherheit. (2002) Angst findet ihren Nährboden und
ihren Ausdruck darin, dass staatliche Überwachungen engmaschiger werden
und bürgerliche Freiheitsrechte untergraben. Die stete Umwandlung
des Rechtsstaat zum Präventionsstaat droht, die Grenze zwischen Unschuldigen
und Schuldigen zu verwischen. Dem Einzelnen wird der Beweis auferlegt,
von ihm ginge weder jetzt noch in Zukunft irgendeine Gefahr aus. Mit eilig
geschnürten und verabschiedeten Sicherheitspaketen legte die Gesetzgebung,
vor allem nach dem 11. September 2001, Hand an die Wurzeln des Rechtsstaats. Hans Leyendecker (* 1949), dessen
beharrlichem journalistischem Wirken die Aufdeckung von Affären um Flick, Graf Lambsdorff, Steffi Graf,
Karlheinz Schreiber oder Helmut Kohl zu verdanken ist, erweitert das Bild
der aktuellen Bedrohungen und Ängste. Sein Buch Die Korruptionsfalle.
Wie unser Land im Filz versinkt (2003; aktualisierte Neuausgabe 2004) bietet
schockierende Einblicke in das Innenleben der Korruption in Deutschland.
Leyendeckers Darstellung zielt nicht auf wohlfeilen Nervenkitzel oder kurzfristige
Empörung. Er warnt im Gegenteil davor, dass permanente Enthüllungen über
kriminelle Kartelle und Netzwerke langfristig zur lähmenden Resignation
beitragen. Der Schaden der Korruption bleibt kein monetärer. Sie hintergeht
demokratische Werte und Spielregeln mit nachhaltigen Folgen. Wer glaubt,
umgeben von korrupten Karrieren, am Ende noch an ein Gemeinwesen, das durch
Transparenz und Chancengleichheit geprägt ist? Mit ihren Veröffentlichungen treten Hans Leyendecker und Heribert
Prantl für Menschen ein, deren Stimmen geringe Chancen auf öffentliche
Resonanz haben. Die redegewandten Erklärungen der Politiker, Prominenten
und der PR-Strategen werden mit humanen Anliegen von Menschen konfrontiert,
die auf die Verliererseite zu geraten drohen. Dieser engagierte Blick auf
die Realität überschneidet sich mit dem Denken Erich Fromms.
Der Psychoanalytiker und Soziologe Erich Fromm gilt als einer der bedeutendsten
Humanisten des 20. Jahrhunderts. Ende der Zwanziger Jahre trat er in das
Frankfurter Institut für Sozialforschung ein. Für das Institut
unter Leitung von Max Horkheimer entwickelte Fromm die Psychoanalyse des
autoritären Charakters, mit der die Autoritarismus-Debatte erst möglich
wurde, und führte eine tiefenpsychologische Erhebung bei Arbeitern
und Angestellten durch, die in Deutschland schon vor 1933 die Gefahren
des aufziehenden Faschismus zeigten. Weitere
Informationen im Internet:
Erich Fromm. Foto: © Fromm Estate Tübingen Veröffentlichung dieser Seite am 10. März 2006
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