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Über Erich Fromm

- Originale Tonaufnahme von Erich Fromm (1961) mit Abschrift:
"Zur Ökonomisierung des Menschen" -

Foto von Erich Fromm und Link zur Vergrößerung auf einer separaten Seite. Foto: Müller-May, © Deutsche Verlagsanstalt.

Erich Fromm. Foto: Müller-May © Deutsche Verlagsanstalt.
Titel
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Zur Ökonomisierung des Menschen
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Quelle: E. Fromm, “Der moderne Mensch und seine Zukunft“, in: Erich-Fromm-Gesamtausgabe in 12 Bänden, hg. von Rainer Funk, München 1999, Band XI, S. 276 und 284.

Entstanden 1961. Copyright © by the Estate of Erich Fromm, Tuebingen

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Die Abschrift des O-Tons:

Zur Ökonomisierung des Menschen

Die Kategorien des industriellen Systems sind Bilanz, Quantifizierung und Buchführung. Die Frage lautet immer: Was lohnt sich? Was bringt Profit? So zu fragen, ist im Bereich der industriellen Produktion notwendig. Doch das Prinzip der Buchführung, der Bilanz und des Profits wurde zugleich auf den Menschen übertragen und hat sich von der Wirtschaft auf das menschliche Leben überhaupt ausgedehnt. Der Mensch wird zu einem Unternehmen; sein Kapital ist sein Leben, und seine Aufgabe scheint zu sein, dieses Kapital möglichst gut zu investieren. Ist es gut investiert, dann hat er Erfolg. Investiert er sein Leben schlecht, dann ist er erfolglos. Auf diese Weise wird er selbst zu einem Ding, zu einer Sache. Wir können uns aber an der Erkenntnis nicht vorbeimogeln: Wenn der Mensch zur Sache wird, ist er tot, auch wenn er – physiologisch gesehen – noch lebt. Ist der Mensch aber seelisch tot, obwohl er physiologisch noch lebt, dann ist er dem Verfall anheimgegeben und wird gefährlich – gefährlich f ür sich und gefährlich für andere.

Ralph Waldo Emerson sagte vor hundert Jahren: „Die Dinge sind im Sattel und reiten uns.“ Ich möchte auf die Veränderung aufmerksam machen, die Emerson ausspricht. Für Luther war die Frage noch, ob der Teufel im Sattel sitzt und den Menschen reitet. Der Teufel war das Böse, und – wie ich vorher verdeutlichte – das Böse war noch menschlich. Für uns heute geht es nicht mehr darum, daß der Teufel uns reitet. Unser Problem ist, daß die Dinge uns reiten – die Dinge und Umstände, die wir selbst geschaffen haben. Im Anschluß an Emersons Formulierung könnte man sagen: Eine Zukunft gibt es für den modernen Menschen nur, wenn der Mensch sich wieder in den Sattel setzt.


Weitere Informationen im Internet:
Die Internetpräsenz der Internationalen Erich-Fromm-Gesellschaft e.V. erreichen Sie unter
: www.erich-fromm.de. Hier finden sich umfangreichen Informationen zum Leben und Werk von Erich Fromm.

Ein knapp einführender Artikel über Erich Fromm mit weiterführenden Verbindungen erreichen Sie direkt in der freien Enzyklopädie WIKIPEDIA unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Erich_Fromm.

Veröffentlichung dieser Seite am 14. März 2006