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Writers in Prison-Bericht 2007 des P.E.N.-Zentrums Deutschland zur Frankfurter Buchmesse - Katja Behrens, Vizepräsidentin und Writers-in-Prison-Beauftragte des P.E.N.-Zentrums Deutschland - O-Ton und Textfassung
Writers-in-Prison-Bericht des P.E.N.-Zentrums Deutschland zur Frankfurter
Buchmesse 2007 im Rahmen der Pressekonferenz am 11. Oktober 2007
Textfassung des
Writers-in-Prison-Berichts: Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Freunde, Heute haben sie mich das erste Mal Dieses Gedicht stammt von Nazim Hikmet, der Jahrzehnte in diversen türkischen Gefängnissen verbracht hat. Die Türkei geht nicht gut mit ihren Dichtern um. In diesem Jahr, am 19. Januar, wurde der Publizist Hrant Dink von einem türkischen Nationalisten erschossen, einem siebzehnjährigen Bürschchen, das Ältere nach bewährter Manier vorgeschoben haben. Hrant Dink war Herausgeber der türkisch-armenischen Zeitschrift Agos. Er war Armenier und lebte schon seit einer Weile mit Morddrohungen - es hatte Tage gegeben, an denen er sein Haus nicht verlassen hatte. Ein Armenier, der im Waisenhaus aufgewachsen war und erst als Erwachsener vom Schicksal seiner Familie erfuhr. Der Völkermord an den Armeniern wird in der Türkei bis heute geleugnet. Und nicht nur das: die Opfer werden zu Tätern abgestempelt. Die Nachfahren der wenigen Überlebenden lernen in den Schulen, daß ihre Vorfahren Landesverräter waren und Türken massakriert haben. Fünf Tage bevor er ermordet wurde, gab Hrant Dink dem Stern ein Interview. Auf die Frage, ob er denn keine Angst habe, antwortete er: "Doch, natürlich habe ich Angst. Wenn Sie es genau wissen wollen, begleitet mich die Angst jeden Tag. Haben Sie schon einmal eine Taube beobachtet? Ständig zuckt sie mit dem Kopf, zuckt bei jedem lauten Geräusch zusammen." Die Interviewerin hielt ihm vor, daß er das Land ja hätte verlassen können. Er wurde ärgerlich: "Kommen Sie mir doch nicht so. Hier ist das Land meiner Vorfahren, hier sind meine Wurzeln, und ich habe ein Recht darauf, in dem Land zu sterben, in dem ich geboren bin." Er sagte nicht: Ich habe
ein Recht darauf, in dem Land zu leben, in dem ich geboren wurde. Die statistischen Daten des Internationalen Writers in Prison Committees für das erste Halbjahr 2007:
Seit Juni 2007 gibt es vier neue Ehrenmitglieder im deutschen P.E.N.: Die beiden tibetischen Autoren Dolma Kyab und Ven Richen Sangpo Geshe, den Kubaner Ricardo Gonzalez Alfonso und den Russen Vladimir Chugunov. Dolma Kyab, ein 31 Jahre alter Schriftsteller und Lehrer, wurde im März 2005 in Lhasa verhaftet. Ein noch unveröffentlichtes Manuskript über die tibetische Geschichte, Religion und Geografie brachte ihm eine Anklage wegen "Gefährdung der Staatssicherheit" ein. Das Urteil lautete zehn Jahre Gefängnis. Im Juli dieses Jahres wurde er in ein Lager überführt, in dem die Gefangenen "durch Arbeit umerzogen" werden sollen. Er ist schwer krank. Ven Richen Sangpo Geshe, ein 30 Jahre alter Schriftsteller, Dichter und Mönch, wurde im Juli 2006 wegen seiner kritischen Schriften, u.a. einer Geschichte von Lhasa, verhaftet, gefoltert und durch Spritzen in die Beine so geschädigt, daß er nach seiner Entlassung aufgrund von internationalen Protesten kaum noch gehen kann und tagelang liegen muß. Er hält sich auf dem Lande versteckt, da er eine erneute Verhaftung zu befürchten hat. Der 57 Jahre alte kubanische Schriftsteller und Publizist Ricardo Gonzalez Alfonso wurde im März 2003 zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt. Was war sein Verbrechen? Er hat eine Schule für Unabhängigen Journalismus gegründet und eine literarische Zeitschrift (De Cuba) herausgegeben. Es versteht sich von selbst, daß Schule und Zeitschrift verboten wurden. Dem russischen Publizisten Vladimir Chugunov wurde, kurz nachdem er den Andrej-Sacharow-Preis für seine Berichterstattung über Menschenrechtsfragen erhalten hatte, bei einem Überfall die rechte Hand gebrochen, mit den Worten: "Da hast du's Schriftsteller! Schreib, wenn du kannst!" Das war im Jahr 2002. Im Januar 2007 wurde er in der Nähe von Moskau wegen angeblicher "Morddrohungen" verhaftet und mehr als fünf Monate lang festgehalten, ohne daß Anklage erhoben wurde. Er wurde zwischen Gefängnissen, Krankenhäusern und psychiatrischen Anstalten hin und her geschoben. (Daß man unliebsame Autoren ins Irrenhaus steckt, hat eine lange Tradition in der Sowjetunion.) Da die Verhandlung gegen Chugunov noch aussteht, ist zu befürchten, daß er im Falle einer Verurteilung wieder inhaftiert wird. Katja Behrens, Vizepräsidentin und Writers in Prison-Beauftragte des P.E.N. -Zentrums Deutschland .. zur Vita von Katja Behrens auf einer separaten Seite ________________________________________ Dokumente im PDF-Format auf separaten Seiten: Der Writers-in-Prison-Bericht 2007 als PDF-Datei auf einer separaten Seite (2 Seiten, rd. 1,1 MB) Der P.E.N. und seine Writers in Prison-Komitees (2 Seiten, 0,8 MB) Weitere zeitnah aktuelle O-Töne zum Thema hier im Archiv:
Weitere Informationen zum Thema "Verfolgte AutorInnen" hier im Archiv im nach wie vor aktuellen Kontext: Dossier: Prozeßauftakt gegen Orhan Pamuk wegen "Herabsetzung
des Türkentums" am 16. Dezember 2005 in Istanbul ___________________________________________________ Gesamter O-Ton der
PRESSEKONFERENZ am 11.10.2007 vom P.E.N.-Zentrum Deutschland im Pressezentrum
der Frankfurter Buchmesse
Der O-Ton, Länge 57:12 Minuten, steht als mp3-Datei nachfolgend in drei Größen zur Verfügung: 48 KB/s mp3-Datei (rd. 20 MB) 96
KB/s mp3-Datei (rd. 41 MB) 192
KB/s mp3-Datei (rd. 82 MB) Bildbeschreibung: Die
TeilnehmerInnen der Pressekonferenz (v.l.n.r.): ___________________________________________________ Weitere
Informationen im Internet: Veröffentlichung dieser Seite am 15. Oktober 2007
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