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P.E.N.-Vorkongress
2006:
Abschrift vom Redebeitrag
im Rahmen der offenen Diskussion von Dr. Elmar Hucko, Abteilungsleiter
Bundesministerium für Justiz i.R. .. ich muß diese Pflicht übernehmen und ich mach das auch gern. Ich möchte zunächst mal vorausschicken, daß bei aller Kritik, die vielleicht auch zum Teil berechtigt ist aus Ihrer Sicht, daß wenn es einen Hort innerhalb der Bundesregierung gibt, zur Verteidigung des geistigen Eigentums und des Urheberrechts, dann ist es das Bundesministerium für Justiz. Eine Bundesregierung ist ja immer ein Konglomerat unterschiedlicher Interessen, unterschiedlicher Lobbyisten, denn jeder Minister ist in gewisser Weise auch Lobbyist für eine bestimmte Gruppe von Interessenten und wir .. In unserer Kompetenz ist das Urheberrechtsgesetz und das Urheberrechtsgesetz ist primär und allein ein Schutzgesetz für die Urheber. Das ist kein Telekommunikationsrecht, es ist auch kein Verfahrensrecht, sondern es ist der Primärzweck des Urheberrechts ist das geistige Eigentum des Urheberrechts zu schützen und das versuchen wir durchzuhalten so gut es geht. Aber wie ich schon sagte, wir sind in einem Geflecht
von Interessen befangen. Das geht nicht nur, wie gesagt, der Lobbys,
sondern der jeweiligen
unterschiedlichen Häuser der Bundesregierung. Und wir haben einen ganz wesentlichen großen Gegner für das Urheberrecht in dem Bereich der Kulturpolitik. Es ist ja interessant, daß die Kulturpolitiker, die eigentlich auch für die Urheber da wären, wenn sie mal im Bundestag Gespräche geführt haben, werden Sie das sehr schnell merken, primär sich einsetzen für Schulen. Jetzt haben wir die Computer alle in den Schulen, jetzt muß der aber auch genutzt werden nach dem Motto: Wo wir Geräte haben, muß auch Inhalt drauf. Ich hab das jetzt bei den Bibliothekaren gesagt nach dem Motto: Wenn jemand sich fünfzig Lastwagen anschafft, dann hat er noch längst nicht das Recht, bei den Zementhandlungen vorbeizufahren und den Zement aufzuladen. Dann muß er den bezahlen! Und wenn man das überträgt auf das handfeste Eigentum, wird das deutlicher. Beim geistigen Eigentum meint man immer noch: das muß man möglichst so nehmen können, ohne den Autor zu fragen, den Verleger, wenn man die Lastwagen jetzt hat. Und das ist also eine ganz große Lobby, die nämlich vor allen Dingen verstärkt wird durch die Kulturpolitiker und Minister und die Finanzminister der Länder, die kein Geld mehr haben, die sind pleite, haben aber jetzt die gesamten Equipments in den Universitäten und Schulen stehen und möchten jetzt diese voll mit Inhalten pumpen und möglichst in die Taschen der Verleger und der Autoren greifen und um diese neuen Medien nutzen zu können. Hier haben wir ein ganz großes Problem, das werden wir im Bundesrat haben und das werden wir bei den Kulturpolitikern des Bundestags haben. So lieb und nett die Leute sind und immer von Kultur reden, aber die werden sehen, in Ausschußberatungen wird das für die ein Hauptziel sein, daß alle Barrieren, die jetzt noch da sind, möglichst wegfallen. Also, der Justizminister ist hier sehr auf Ihre Hilfe und auf Ihr lautes Schreien in den Ausschußberatungen angewiesen, damit das nicht noch weiter um sich greift, dieser allgemeine Freibiergedanke, den wir einfach nicht wollen und der das Urheberrecht kaputt macht. Das gute alte Urheberrecht! Soweit zur Vorbemerkung. Daß wir eigentlich Ihr Lobbyist in der Bundesregierung sind und bleiben werden und daß da ganz andere Zusammenspiele sind, die wichtig zu erkennen sind und daß man da gegenhalten muß, damit das Urheberecht nicht wirklich unter die Räder kommt. Jetzt zu einigen Einzelheiten. [Beifall aus dem Publikum] Und das auch noch mal zu Ihrer Beruhigung: Wir haben eine ganze Reihe von Sachen zwischendurch in den letzten Wochen und Monaten mit Vertretern der Urheber, insbesondere mit der VG-Wort und mit anderen besprochen, wo wir noch nachbessern könnten. Wir haben dies jetzt aber nicht schon alles hier reingeschrieben, denn wir haben das Problem, daß wir alles was wir ändern noch mal, kurz vor der Kabinettbefassung, wieder rumschicken müssen an alle Ressorts, an alle Lobbys und daß die dann alle wieder Stellung nehmen und dann sagen vielleicht: Da stellen wir zu und da wollen wir das natürlich noch rein. Wir kriegen den Sack nie zu! Deshalb haben wir erstmal das hier so gebracht, haben aber schon eine große Mappe von Änderungen, die auch abgestimmt sind mit Börsenverein und auch mit dem Herrn Melcher von der VG-Wort, daß wir das noch nachbessern, aber dann in den Ausschußberatungen. Dann haben wir nämlich nicht, ich weiß nicht, ob das publiziert wird hier, dann muß ich etwas vorsichtiger formulieren. Dann haben wir nicht die gesamte Lobby wieder beim Wirtschaftsminister, beim Bundeskanzler, oder jetzt bei der Bundeskanzlerin, die uns das alles wieder aus der Hand schlägt, denn wir sind der Lobbyist der Urheber, sondern das machen wir dann mit den Sachverständigen in den Ausschüssen und da geht das in die letzte Rechtsausschußsitzung rein und ist dann im Bundesgesetzblatt und da kann nicht noch jemand zum Bundeskanzler laufen und sagen: Ja da bin ich aber dagegen! Deshalb sind es reine taktische Überlegungen, daß für manche Veränderungen, die zu Gunsten der Urheber sind, noch später in den Ausschußberatungen nachbessern. Das immer so, wie der Herr Struck gesagt hat, es geht kein Gesetz so raus, wie es reingebracht wird in den Bundestag. Insofern können Sie beruhigt sein. Wir werden auch hier in den Ausschußberatungen als zuständiges Ressort beim Rechtsausschuß dafür sorgen, daß diese Nachbesserungen, die auch noch erforderlich sind, daß die rein kommen. Beispielsweise, das werden Sie in der Presseerklärung von Herrn Melcher lesen, er befürchtet, daß durch dieses neue System es eine Zeit lang überhaupt keine Einnahmen mehr bei der VG-Wort gebe, wenn nämlich das was jetzt in der Anlage als Gesetz steht, künftig als Tarif fungiert wird. Das Problem haben wir mit Herrn Melcher vor zwei Monaten sehr ausführlich besprochen, das wird nachgebessert werden und da denken wir uns eine Übergangsvorschrift, da arbeiten wir dran, aus, daß in der Tat, wie bei Tarifverträgen es eine Nachwirkung gibt, so daß zunächst mal weiter bezahlt werden muß und es nicht eine Situation gibt, wo die Gerätehersteller zunächst mal gar nichts mehr bezahlen. Das wird nicht der Fall sein. Und ich denke, noch eine Bemerkung, ich will das nicht zu lange hier, Sie in Anspruch nehmen, die Angst, daß durch diese neuen Regelungen jetzt plötzlich Sie verarmen werden oder Sie nichts bekommen oder zu wenig bekommen, die kann ich eigentlich nicht teilen. Denn: was ist denn die jetzige Situation? Für Drucker wird nichts gezahlt seit zig Jahren oder seit vielen Jahren und für PC wird nichts gezahlt. Das sind die Geräte, die am meisten umgesetzt werden. Denken Sie nur, die PCs die in öffentlichen Verwaltungen und Büros stehen, die werden ja alle mit abkassiert werden künftig. Da wird kein urheberrechtlicher Text kopiert, sondern da wird also normalerweise der Nonsens aus den Behörden immer wieder kopiert. Wenn wir diese Geräte, die vielmillionenfach jedes Jahr angeschafft werden und die jedes zweite Jahr oder demnächst wahrscheinlich jedes Jahr neu angeschafft werden, und in jedem Haushalt, wie schon gesagt im Kinderzimmer als Festplatte und als Notebook und demnächst werden wahrscheinlich wie die Armbanduhren, wo man mehrere hat, zu jedem Kleid passend, werden demnächst auch diese Geräte angeschafft in der großen Zahl. Und es werden ständig neue Geräte auf den Markt kommen, mit denen man kopieren kann und die in diesen Kontext einfallen. Da werden so viele Millionen Geräte unter diese Abgabe fallen jetzt, und wenn Sie das jetzt mal mit diesen Beträgen, die jetzt in Rede stehen multiplizieren, beispielsweise was jetzt entschieden worden ist, für den PC 12,- EURO, die ersten Gerichtsentscheidungen sagen das, und das mit den vielen Millionen, die da in Betracht kommen multiplizieren, dazu noch die Drucker mit 6,- EURO und mehr, wenn sie stärkere noch Leistung bringen, dann glaube ich, daß da zwei- bis dreistellige Millionenbeträge in die Kassen der Verwertungsgesellschaften fließen werden und ich bin zwar hart im Nehmen und ich werde jetzt immer kritisiert und auch meine Ministerin, aber ich freue mich schon auf den Zeitpunkt, wo Herr Melcher mir in drei, vier Jahren sagen wird: Verdammt noch mal, für diese vielen Millionen sind wir doch sehr dankbar, die da jetzt endlich fließen, und das ist meine Perspektive und ich sehe also wirklich das Glas nicht so halbleer, sondern ich sehe es dreiviertelvoll und das ist eigentlich meines Erachtens auch eine Perspektive, die hier möglich ist und der man sich nicht so verschießen sollte. Also ich denke: Man sollte die Sache nicht so negativ sehen. So war sie jedenfalls nicht gedacht und ich meine, so wird sie auch nicht rauskommen. Vielen Dank! [Applaus aus dem Publikum] ___________________________________ Weitere Informationen hier im Archiv: .. direkt zu der Übersichtseite der Reden, Vorträge und Diskussionen :: Übersicht der Biographien der Beteiligten :: Zur Startseite dieser Dokumentation Veröffentlichung dieser Seite am 18. Mai 2006 |
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