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Dokumentation der Eröffnungsfeier des neu gegründeten Zentralinstituts für Angewandte Ethik und Wissenschaftskommunikation an der Universität Erlangen-Nürnberg
- Am 14. Juli 2006 in der Aula des Erlanger Schlosses -

Textfassung und O-Ton des Festvortrags von Prof. Carl Friedrich Gethmann anläßlich des neu gegründeten Zentralinstitutes:

Der O-Ton des Vortrags in drei Dateigrößen im mp3-Format:

48 KB/s, 47:15 Min. rd. 17,0 MB
http://www.o-ton.radio-luma.net/mp3/140706_carl_friedrich_gethmann_uni-erlangen_48.mp3

96 KB/s, 47:15 Min. rd. 34,0 MB
http://www.o-ton.radio-luma.net/mp3/140706_carl_friedrich_gethmann_uni-erlangen_96.mp3

192 KB/s, 47:15 Min. rd. 68,0 MB
http://www.o-ton.radio-luma.net/mp3/140706_carl_friedrich_gethmann_uni-erlangen_192.mp3

 
Prof. Carl Friedrich Gethmann. ©  Europäischen Akademie
Prof. Carl Friedrich Gethmann.
Foto: © Europäischen Akademie

Textfassung des Festvortrags von Prof. Carl Friedrich Gethmann:

" Die Krise des Wissenschaftsethos "

- Es gilt das gesprochenen Wort -

Das Ethos einer Interaktions- und Kommunikationsgemeinschaft ist das Ensemble der unproblematisierten Regeln des Handelns, an die sich jedermann gebunden weiß und deren Befolgung durch andere jedermann erwarten darf. Ein solches Ethos ist gewöhnlich implizites Regelwissen. Wird es explizit zum Thema, ist dieser Vorgang Indikator einer Krise von Interaktions- und Kommunikationszusammenhängen. Die in letzter Zeit zunehmende Zahl von Veranstaltungen zum Thema „Ethos der Forschung“ sind Indizien für eine Glaubwürdigkeitskrise der Wissenschaften. Diese Krise ist durch einige spektakuläre Forschungsfälschungen der letzten Zeit keineswegs hinreichend erklärt. Vielmehr konnten diese Ereignis als so dramatisch in der Öffentlichkeit nur aufgenommen werden, weil sie eine mehr oder weniger latente Stimmung tiefen Unbehagens manifest gemacht und verstärkt haben. Daher ist die Annahme einer solchen Krise keineswegs trivial, noch weniger, welche Konsequenzen man aus ihr zu ziehen hat.

Die Glaubwürdigkeitskrise der Wissenschaften hat ganz unterschiedliche Aspekte, die sich aber gewissermaßen auf einen Punkt hin bewegen und durch diese simultane Bewegung auch diese enorme Skepsis erzeugen, mit der sich Wissenschaftler heute häufig konfrontiert sehen, und wer immer sein Labor oder seine Bibliothek einmal verläßt, um volkstümliche Vorträge zu halten, wird auf diese Skepsis stoßen. Dabei überlagern sich verschiedenen Entwicklungen als Skepsis-erzeugend Faktoren. Es gibt einmal die schon gewohnte ältere Skepsis, die durch die technischen Folgen erzeugt wird, die sich aus der Anwendung wissenschaftlichen Wissens ergeben. Seit Los Alamos und Hiroshima ist deutlich, daß wissenschaftliches Wissen und wissenschaftlich fundierte Technik keine Segensgarantie in sich tragen. Entgegen einer breiten von Platon herkommenden Tradition hat sich die Einsicht durchgesetzt, daß Wissen nicht an sich gut ist, sondern nur dann gut ist, wenn es guten Zwecken dient. Welchen Zwecken das Wissen dient, wissen aber weder Wissenschaftler noch erst recht Laien vorher genau und es wird auch nicht selten von Wissenschaftlern durchaus camoufliert.
Hinzu kommt jedoch seit einiger Zeit ein zweites Phänomen, nämlich daß wir nicht erst bei der Anwendung des Wissens, wie im Falle der Atombombe, sondern heute zunehmend bereits im Bereich der Erzeugung des Wissens moralische Probleme diskutieren. Da ja neuzeitliche Wissenschaft nicht bloß betrachtende, sondern eingreifende Wissenschaft ist und man Kausalwissen nur durch Intervention in Naturabläufe erhält, kann es sich ergeben, daß bereits die Tätigkeit im Labor und nicht erst nach dem Labor moralisch relevante Probleme erzeugt. Freilich ist das für das mechanische Labor und die in ihm rollenden Kugeln – und seien es auch ganz kleine Kugeln – noch kein Problem. Aber die modernen Biowissenschaften z. B. sind unter anderem dadurch ausgezeichnet, daß bereits das, was für die Wissenserzeugung getan wird, nicht moralisch irrelevant ist. Man denke nur an Fragen der gentechnischen Veränderung von Pflanzen, an die Fragen die mit der Biodiversität zusammenhängen oder das Problem der Humanexperimente in die bio-medizinischen Forschung, um sich klar zu machen, daß die Moralität des Forschers bereits bei der Wissenserzeugung und nicht erst bei der Wissensanwendung von Bedeutung ist. Während vielleicht die Physiker noch auf die Moralität der Anwender, also der Politiker und Militärs verweisen konnten, was Dürrenmatt freilich schon bei ihnen nicht hinnehmen wollte, kommt es in den biomedizinischen Wissenschaften nicht nur auf die technischen Fähigkeiten und die kognitive Kompetenz des Forschers als Wissenserzeuger, sondern auch auf seine Moralität an. Daß mit Menschen nicht experimentiert werden darf, ist eine Restriktion, die sich bereits auf die Wissenserzeugung und nicht erst auf die Wissensanwendung legt.
Schließlich kann man von einer Glaubwürdigkeitskrise sprechen aufgrund der die sich in letzter Zeit verdichtenden Erfahrung, daß Wissenschaftler von Haus aus, d. h. aufgrund der Selektionsvorgänge, die zum Wissenschaftlerdasein führen, vielleicht zwar intelligenter und hoffentlich auch fleißiger sind als andere Menschen, aber nicht ohne weiteres mutiger, bescheidener, zuverlässiger und vor allem glaubwürdiger. Das ist jedenfalls der Verdacht, den die spektakulären Betrugsfälle der letzten Zeit so unangenehm untermauert haben. Die Vorgänge werden ja von fast allen Wissenschaftlern bedauert; die Wissenschaftsorganisationen haben sehr schnell Verhaltenskodizes und Verfahren beschlossen, um solche Vorfälle in Zukunft zu verhindern.
Aber ist es ein so großes Drama für die Gesellschaft, daß eine ihrer Berufsgruppen von Glaubwürdigkeitskrise betroffen ist? Sollten die Installateure oder die Taxifahrer einmal eine Glaubwürdigkeitskrise haben, würde das niemanden so groß aufregen. Das Besondere und Dramatische an den Betrugsfällen in der Wissenschaft ist eben, daß mit der Glaubwürdigkeitskrise der Wissenschaftler der Kredit der Wissenschaft und damit das Selbstverständnis einer wissenschaftlich-technisch geprägten Kultur insgesamt zur Debatte steht. Deswegen muß die Wissenschaft auch einer gewissen modischen Begeisterung für die Aufhebung aller Geltungsansprüche und geltungsbeanspruchenden Institutionen, die die Wissenschaften seit Paul Karl Feierabends „Anything goes“ erfaßt hat, entgegentreten. Die anarchistische Wissenschaftsphilosophie hat hierbei ein Tendenz in Gang gesetzt, die durch die Philosophie der Postmoderne noch einmal verstärkt worden ist. Wenn, wie hier im Anschluß an Nietzsche behauptet wird, Geltungsansprüche, auch wissenschaftliche Geltungsansprüche, lediglich Machtansprüche und somit eigentlich Unterdrückungsinstrumente wären, dann hätte die Wissenschaft im Namen menschlicher Freiheit auf alle Geltungs- und Wahrheitsansprüche zu verzichten. Dann aber auch könnte man Fälschungen nicht mehr verurteilen – im Gegenteil: man müßte sie als Ausdruck der bunten Vielfalt von Meinungen geradezu begrüßen. Die Glaubwürdigkeitskrise der Wissenschaft zeigt sich auch in solchen krypto-wissenschaftsphilosophischen Prozessen, die versuchen, aus der Not eine Tugend zu machen und die Glaubwürdigkeitskrise als eine Ausdrucksform des Slogans „Laß tausend bunte Blumen blühen“ zu beschreiben. Derartige Attacken auf die grundsätzliche Anerkennung wissenschaftlicher Geltungsansprüche sind keineswegs bloß Attacken auf das zunftmäßige Selbstverständnis einer sozialen Gruppe, nämlich die der Wissenschaftler, sondern eine Attacke auf die Grundlagen einer wissenschaftlich-technisch geprägten Kultur, die ein vitales Interesse daran haben muß, daß Verfahren anerkannt sind, die Verallgemeinerbarkeit von Behauptungen und damit die Verläßlichkeit wissenschaftlicher Methoden sichern. Allerdings: im Feld wissenschaftlicher Forschung kann letztlich nur der Wissenschaftler, und sei es auch der die politischen Institutionen beratende Wissenschaftler, für die Kontrolle der Wissenschaft sorgen, und gerade deswegen ist die Moralität des Wissenschaftlers von so hoher Bedeutung. Das heißt aber auch, daß die Skepsis der Öffentlichkeit gegenüber einer Reihe von wissenschaftlichen Entwicklungen nicht einfach durch Informationsverbesserung zu beseitigen ist. Der Bürger ist ja nicht skeptisch gegenüber den kognitiven Fähigkeiten der Wissenschaftler, im Gegenteil, er fürchtet häufig gerade, daß der Wissenschaftler das zuwege bringt, was er ankündigt, sondern der Bürger ist gerade skeptisch gegenüber der Moral der Wissenschaftler. Der Schlachtruf „public understanding of science“ ist daher auch nicht (jedenfalls nicht allein) die richtige Antwort auf die Krise des Ethos der Forschung. Es geht eben nicht nur und nicht in erster Linie um die Wahrheit der Erkenntnisse, sondern um die Verläßlichkeit und Wahrhaftigkeit der Forscher.

Hier ist jedoch der keineswegs triviale Einwand zu bedenken, ob man im Zeitalter der Massenkommunikation überhaupt noch vom Ethos der Wissenschaftler sprechen kann und was eine Kontrolle dieses Ethos in operationalisierbarer Weise bedeuten kann. Üblicherweise orientieren wir ja unsere Vorstellungen vom Ethos an Situationen der Kleingruppeninteraktion. Und in diesem Bereich funktioniert die Kontrolle nach wie vor einigermaßen gut. Ob eine Äußerung verläßlich ist, jemand sein Versprechen hält oder jemand die Wahrheit sagt, kann im Einzelfall grundsätzlich, jedenfalls unter Bedingungen der Kleingruppeninteraktion kontrolliert werden. Wissenschaft im Zeitalter der „big science“ ist aber schon längst ein Kommunikationsphänomen, das Bedingungen der Großgruppeninteraktion unterliegt. Eine dieser Bedingungen ist die Anonymität der Akteure. Unter komplexen Verhältnissen kann man oft nicht umhin, auf die Habitualisierung bestimmter Verhaltensweisen zu setzen. Die Überprüfbarkeit dieser Unterstellung ist jedoch weitegehend inoperabel. Die Massenkommunikationsgesellschaft ist tendenziell eine Gesellschaft kommunikationszerstörenden Mißtrauens, und die Wissenschaft muß sich diesem Umstand stellen. Eine wissenschaftlich-technische Kultur braucht Strategien, die unter Bedingungen der Massenkommunikation ermöglichen, Erwartungen gegenüber der Glaubwürdigkeit der Wissenschaftler jedenfalls im Prinzip einzulösen. Diese können sich nicht in Appellen an die Wissenschaftler erschöpfen, die darauf hinauslaufen, die Rahmenbedingungen der Kleingruppeninteraktion zurückzugewinnen. Die Tugendhaftigkeit des einzelnen Wissenschaftlers muß durch eine Institutionalisierung von Überprüfungsmöglichkeiten ergänzt werden.

Damit stellt sich die Frage, wie unter Bedingungen der Massenkommunikationsgesellschaft institutionelle Strukturen auszusehen haben, die funktionell an die Stelle der direkten persönlichen Kontrolle treten können. Solche Überlegungen zur adäquaten Institutionalisierung wissenschaftlicher Kontrolle scheinen insgesamt am Expertendilemma zu scheitern: letztlich sind es ja wieder Wissenschaftler, in welchem sozialen Aggregatzustand auch immer, die über Wissenschaftler urteilen. Allerdings ist dieser Typ Dilemma keineswegs ein Proprium der Wissenschaft; es sind ja beispielsweise auch immer Richter, die über unredliche Richter urteilen. Es kommt also alles darauf, den Kontrollverfahren die richtige Gestalt zu geben. Dazu sind Überlegungen in mehrere Richtungen anzustellen:

Eine erste Überlegung gilt der die außerwissenschaftlichen Öffentlichkeit. Wissenschaft kann ihre praktische Rolle nur ausführen, wenn die Öffentlichkeit in der Lage ist, ihre diskursiven Prozesse wenigstens im Prinzip und der Struktur nach nachzuvollziehen. Eine wissenschaftlich-technische Kultur ist nur erfolgreich, wenn ein bestimmtes Maß an wissenschaftlicher Aufgeklärtheit auch Realität ist. Mit wissenschaftlicher Aufklärung ist hier die Fähigkeit gemeint, gewissermaßen methodisch nachzuvollziehen, was in den Wissenschaften geschieht, nicht dagegen die Wissensakkumulationen, die man vielleicht durch Crash-Kurse in bestimmten Disziplinen erwirbt. Es geht nicht so sehr um materielles, substantielles Wissen, sondern darum, die Prozeduren wissenschaftlicher Erkenntnisformen nachzuvollziehen.
Diese Bedingung betrifft ersichtlich nur die Außenseite der Wissenschaft. Eine zweite Überlegung hat der Frage zu gelten, wie sich das Ethos der Wissenschaft in der Binnenstruktur wissenschaftlicher Arbeit realisiert. Und hier wendet sich der Blick auf Phänomen des wissenschaftliche Standesethos. Es ist im übrigen nicht nur ein Phänomen der Wissenschaft, sondern es ist ein Phänomen der Gesellschaft überhaupt, daß Standesmoralen an Kredit verlieren und der Staat versucht, sich im Zuge des Einsatzes seines wichtigsten Gestaltungsinstruments, nämlich der Gesetzgebung, die Kontrolle aller gesellschaftlichen Verhältnisse anzueignen. Demgegenüber sollte man auch hier eine Art Arbeitsteilung propagieren; es gibt in der Gesellschaft eine moralische Arbeitsteilung neben der produktiven Arbeitsteilung (der Wirtschaft) und der kognitiven Arbeitsteilung (der Wissenschaft). Auch bezüglich der moralischen Arbeitsteilung ist eine Art Subsidiaritätsprinzip zu beherzigen, demgemäß der Staat nicht tun sollte, was Standesorganisationen tun können. Im übrigen bleibt der Gesetzgeber sowohl im Gesetzesvollzug als auch durch die die Beachtung der Gesetze stabilisierende Rechtssprechung auf wenigstens partiell intakte Standesmoralen (z.B. von Beamten und Richtern) angewiesen. Eine Gesellschaft, die Ethos vollständig durch Recht ersetzen wollte, wäre nicht funktionsfähig. Unter Bedingungen der Massenkommunikation ist unvermeidbar, daß sich das wissenschaftliche Standesethos in Fällen besonderer Wichtigkeit und Dringlichkeit nach Maßgabe der Dauerhaftigkeit zu institutionellen Prozeduren verdichtet. Insoweit diese Prozeduren leidlich funktionieren, sollte sich der Staat aus ihnen heraushalten.
Allerdings kann ein Standesethos mehr oder weniger funktionieren, seine Gültigkeit mehr oder weniger anerkannt sein. Und zu einem Standesethos gehört neben vielen anderen Bedingungen auch eine Art Kanon von Symbolen, die es stabilisieren. Wir müssen feststellen, daß in allen gesellschaftlichen Bereichen, auch in der Wissenschaft, in den letzten Jahrzehnten die gemeinschaftsstiftenden Symbole durchweg abgebaut wurden, ohne daß erkennbar neue an ihre Stelle traten. Insgesamt hat die Entsymbolisierung der Wissenschaft (es handelt sich vor allem um ein deutsches Phänomen, wie jeder erlebt, der einmal an akademischen Ereignisses ausländischer Wissenschaftseinrichtungen teilnimmt) auf der anderen Seite keine emanzipatorischen Fortschritte erkennbar werden lassen. Das Ablegen der Talare ist ohne jede aufklärerische Wirkung geblieben; der „Muff“ war offenkundig ganz woanders.
Ein dritter Aspekt, der besonders eng mit den aktuellen Betrugsfällen verbunden ist, hat mit der immer stärker sich ausdifferenzierenden Wettbewerbssituation zu tun. Das Versagen einzelner Wissenschaftler ist zweifellos auch durch den zunehmenden Wettbewerbsdruck zu erklären (nicht: zu entschuldigen). Dabei ist anzuerkennen, daß der Wettbewerb ein vitales Element wissenschaftlicher Forschung ist und eine der wichtigsten Antriebskräfte für das Engagement des einzelnen Wissenschaftlers. Allerdings heißt „Wettbewerb“ in verschiedenen sozialen Kontexten etwas anderes. Wettbewerb im Sport bedeutet etwas anderes als Wettbewerb in der Wirtschaft, und wissenschaftlicher Wettbewerb ist etwas Drittes. Die Kritik sollte sich also nicht auf die kompetitive Struktur wissenschaftlicher Arbeit als solche richten, sondern auf die starke Tendenz der aktuellen Wissenschaftspolitik, kompetitive Muster des kommerziellen Wettbewerbs der Wissenschaft überzustülpen. Forschungsinstitute sind nur sehr begrenzt mit Unternehmen gleichzusetzen, Forschungsergebnisse sind nur begrenzt wie kommerzielle Produkte zu betrachten (ein gelungenes Experiment kann ein „Schaden“, ein mißlungenes ein „Nutzen“ sein), Wissenschaftler sind demgemäß nur in sehr eingeschränktem Sinn mit Marktakteuren wie Produzenten und Konsumenten gleichzusetzen. Es ist jedoch zuzugestehen, daß die Wissenschaft selbst zu diesem Differenzierungsbedarf noch nicht sehr viel Phantasievolles beigetragen hat. Es bleibt eine Aufgabe der Wissenschaftsorganisationen, mit der Abwehr einer unkritischen Übertragung ökonomischer Wettbewerbsmodelle wissenschaftsspezifische Strukturen zu entwickeln, die beispielsweise eine Leistungsbeurteilung anders als durch ökonomische Meßverfahren ermöglichen.

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Weitere Informationen hier im Archiv:
Die Dokumentation der Eröffnungsfeier des am 14. Juli 2006 neu gegründeten Zentralinstituts für Angewandte Ethik und Wissenschaftskommunikation an der Universität Erlangen-Nürnberg mit O-Ton und Textfassungen.

Die separate Seite mit der Kurzvita von Prof. Cral Friedrich Gethmann.

Weitere Informationen im Internet:
Die Startseite der Internetpräsenz der Europäischen Akademie zur Erforschung von Folgen wissenschaftlich-technischer Entwicklungen Bad Neuenahr-Ahrweiler GmbH erreichen Sie unter: www.europaeische-akademie-aw.de.

Die Startseite vom Zentralinstitut für Angewandte Ethik und Wissenschaftskommunikation der Universität Erlangen-Nürnberg erreichen Sie direkt unter: www.ziew.uni-erlangen.de.

Die Startseite der Internetpräsenz der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) erreichen Sie unter: www.uni-erlangen.de.

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Veröffentlichung dieser Seite am xx. September 2006