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Writers in Prison-Bericht 2007 des P.E.N.-Zentrums Deutschland zur Frankfurter Buchmesse

- Katja Behrens, Vizepräsidentin und Writers-in-Prison-Beauftragte des P.E.N.-Zentrums Deutschland -

O-Ton und Textfassung Writers-in-Prison-Bericht des P.E.N.-Zentrums Deutschland zur Frankfurter Buchmesse 2007 im Rahmen der Pressekonferenz am 11. Oktober 2007

Katja Behrens.  © radio-luma

Katja Behrens
Foto:
© radio-luma
 

Der O-Ton (7:31 Minuten) steht als mp3-Datei nachfolgend in drei Größen zur Verfügung:

48 KB/s mp3-Datei (rd. 2,7 MB)
URL: http://www.o-ton.radio-luma.net/mp3/2007-10-11_pk_pen-de_katja_behrens_wipr_buchmesse_frankfurt_48.mp3

96 KB/s mp3-Datei (rd. 5,5 MB)
URL: http://www.o-ton.radio-luma.net/mp3/2007-10-11_pk_pen-de_katja_behrens_wipr_buchmesse_frankfurt_96.mp3

192 KB/s mp3-Datei (rd. 10,8 MB)
URL: http://www.o-ton.radio-luma.net/mp3/2007-10-11_pk_pen-de_katja_behrens_wipr_buchmesse_frankfurt_192.mp3

Textfassung des Writers-in-Prison-Berichts:
(Es gilt das gesprochene Wort)

Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Freunde,

Heute haben sie mich das erste Mal
in die Sonne hinausgelassen.
Ich bin das erste mal in meinem Leben
so sehr verwundert darüber
daß der Himmel so weit weg von mir ist
so sehr blau ist
so sehr großflächig ist
ohne mich zu rühren stand ich da.
Danach setzte ich mich mit Ehrfurcht auf die Erde,
meinen Rücken lehnte ich an die Wand.
In diesem Moment dachte ich weder an
das Fallen der Wellen,
noch an Streit,
noch Freiheit, noch an meine Frau.
Die Erde, die Sonne und ich ...
Ich bin überglücklich ...

Dieses Gedicht stammt von Nazim Hikmet, der Jahrzehnte in diversen türkischen Gefängnissen verbracht hat. Die Türkei geht nicht gut mit ihren Dichtern um. In diesem Jahr, am 19. Januar, wurde der Publizist Hrant Dink von einem türkischen Nationalisten erschossen, einem siebzehnjährigen Bürschchen, das Ältere nach bewährter Manier vorgeschoben haben.

Hrant Dink war Herausgeber der türkisch-armenischen Zeitschrift Agos. Er war Armenier und lebte schon seit einer Weile mit Morddrohungen - es hatte Tage gegeben, an denen er sein Haus nicht verlassen hatte. Ein Armenier, der im Waisenhaus aufgewachsen war und erst als Erwachsener vom Schicksal seiner Familie erfuhr. Der Völkermord an den Armeniern wird in der Türkei bis heute geleugnet. Und nicht nur das: die Opfer werden zu Tätern abgestempelt. Die Nachfahren der wenigen Überlebenden lernen in den Schulen, daß ihre Vorfahren Landesverräter waren und Türken massakriert haben.

Fünf Tage bevor er ermordet wurde, gab Hrant Dink dem Stern ein Interview. Auf die Frage, ob er denn keine Angst habe, antwortete er: "Doch, natürlich habe ich Angst. Wenn Sie es genau wissen wollen, begleitet mich die Angst jeden Tag. Haben Sie schon einmal eine Taube beobachtet? Ständig zuckt sie mit dem Kopf, zuckt bei jedem lauten Geräusch zusammen."

Die Interviewerin hielt ihm vor, daß er das Land ja hätte verlassen können. Er wurde ärgerlich: "Kommen Sie mir doch nicht so. Hier ist das Land meiner Vorfahren, hier sind meine Wurzeln, und ich habe ein Recht darauf, in dem Land zu sterben, in dem ich geboren bin."

Er sagte nicht: Ich habe ein Recht darauf, in dem Land zu leben, in dem ich geboren wurde.
Er wußte, daß er sterben würde, und er ist nicht der einzige Autor, der in den ersten sechs Monaten dieses Jahres ermordet wurde.

Die statistischen Daten des Internationalen Writers in Prison Committees für das erste Halbjahr 2007:

Getötet
29
Getötet, Untersuchung noch nicht abgeschlossen
10
Verschwunden
31
Verfolgt und inhaftiert (Main Cases)
152
Inhaftiert, Untersuchung noch nicht abgeschlossen
58
Juristische Bedenken gegen Verfahren oder Verdacht auf Folter
6
nicht in Haft vor Verfahren oder Urteilsverkündung
142
zu anderen Strafen verurteilt (keine Haft)
53
versteckt
4
für kurze Zeit in Haft genommen
66
mit dem Tode bedroht
57
auf andere Weise bedroht, entführt
170
entführt
4
ins Exil gezwungen, deportiert, geflohen
1
 
Insgesamt
781
Freigelassen
42

Seit Juni 2007 gibt es vier neue Ehrenmitglieder im deutschen P.E.N.: Die beiden tibetischen Autoren Dolma Kyab und Ven Richen Sangpo Geshe, den Kubaner Ricardo Gonzalez Alfonso und den Russen Vladimir Chugunov.

Dolma Kyab, ein 31 Jahre alter Schriftsteller und Lehrer, wurde im März 2005 in Lhasa verhaftet. Ein noch unveröffentlichtes Manuskript über die tibetische Geschichte, Religion und Geografie brachte ihm eine Anklage wegen "Gefährdung der Staatssicherheit" ein. Das Urteil lautete zehn Jahre Gefängnis. Im Juli dieses Jahres wurde er in ein Lager überführt, in dem die Gefangenen "durch Arbeit umerzogen" werden sollen. Er ist schwer krank.

Ven Richen Sangpo Geshe, ein 30 Jahre alter Schriftsteller, Dichter und Mönch, wurde im Juli 2006 wegen seiner kritischen Schriften, u.a. einer Geschichte von Lhasa, verhaftet, gefoltert und durch Spritzen in die Beine so geschädigt, daß er nach seiner Entlassung aufgrund von internationalen Protesten kaum noch gehen kann und tagelang liegen muß. Er hält sich auf dem Lande versteckt, da er eine erneute Verhaftung zu befürchten hat.

Der 57 Jahre alte kubanische Schriftsteller und Publizist Ricardo Gonzalez Alfonso wurde im März 2003 zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt. Was war sein Verbrechen? Er hat eine Schule für Unabhängigen Journalismus gegründet und eine literarische Zeitschrift (De Cuba) herausgegeben. Es versteht sich von selbst, daß Schule und Zeitschrift verboten wurden.

Dem russischen Publizisten Vladimir Chugunov wurde, kurz nachdem er den Andrej-Sacharow-Preis für seine Berichterstattung über Menschenrechtsfragen erhalten hatte, bei einem Überfall die rechte Hand gebrochen, mit den Worten: "Da hast du's Schriftsteller! Schreib, wenn du kannst!" Das war im Jahr 2002. Im Januar 2007 wurde er in der Nähe von Moskau wegen angeblicher "Morddrohungen" verhaftet und mehr als fünf Monate lang festgehalten, ohne daß Anklage erhoben wurde. Er wurde zwischen Gefängnissen, Krankenhäusern und psychiatrischen Anstalten hin und her geschoben. (Daß man unliebsame Autoren ins Irrenhaus steckt, hat eine lange Tradition in der Sowjetunion.) Da die Verhandlung gegen Chugunov noch aussteht, ist zu befürchten, daß er im Falle einer Verurteilung wieder inhaftiert wird.

Katja Behrens, Vizepräsidentin und Writers in Prison-Beauftragte des P.E.N. -Zentrums Deutschland

.. zur Vita von Katja Behrens auf einer separaten Seite

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Dokumente im PDF-Format auf separaten Seiten:

Der Writers-in-Prison-Bericht 2007 als PDF-Datei auf einer separaten Seite (2 Seiten, rd. 1,1 MB)

Der P.E.N. und seine Writers in Prison-Komitees (2 Seiten, 0,8 MB)

Weitere zeitnah aktuelle O-Töne zum Thema hier im Archiv:

Katja Behrens und Maynat Kurbanova. © radio-luma

Foto: © radio-luma

 

 

Katja Behrens und Maynat Kurbanova, tschetschenische Journalistin und Stipendiatin der Stadt Darmstadt und Deutschland im Gespräch
Am 11. Oktober 2007 in der Pressekonferenz des P.E.N.-Zentrums Deutschland auf der Frankfurter Buchmesse

.. zur separaten Seite, u.a. mit dem O-Ton

Dr. Sigfrid Gauch. © Sigfrid Gauch

© Sigfrid Gauch

 

Interview mit Dr. Sigfrid Gauch, Vizepräsident und Writers-in-Exile-Beauftragter des P.E.N.-Zentrums Deutschland - Thema: Die Funktion des Writers-in-Exile-Programms
- vom 12. Oktober auf der Frankfurter Buchmesse

.. zur separaten Seite, u.a. mit dem O-Ton

Weitere Informationen zum Thema "Verfolgte AutorInnen" hier im Archiv im nach wie vor aktuellen Kontext:

Direkt zum Writers-in-Prison-Bericht 2005 (O-Ton u. Textf.) von der Vorsitzenden des Writers-in-Prison-Committees im International PEN, Dr. Karin Clark, im Rahmen der Dokumentation der Verleihung der Hermann-Kesten-Medaille an "Journaliste en Danger" (Kinshasa) am 13. November 2005 in Darmstadt

Dossier: Prozeßauftakt gegen Orhan Pamuk wegen "Herabsetzung des Türkentums" am 16. Dezember 2005 in Istanbul
- Ein Dossier mit einem Augenzeugenbericht der Delegation des International PEN vom Prozeßbeginn -

Der Aufruf der 169 türkischen Künstler und Intellektuellen vom 26. Dezember 2005 gegen die Paragraphen 301 und 305 im originalen türkischen Wortlaut und deutscher Übersetzung ("Herabsetzung des Türkentums") mit der Namensliste der UnterzeichnerInnen.

.. zur Pressemitteilung von "Reporter ohne Grenzen": "Türkei: Arat Dink wegen "Beleidigung des Türkentums" verurteilt, vom 12. Oktober 2007, auf einer separten Seite

.. zum Aufruf vom International PEN: "TURKEY: PEN Protests Sentences under Article 301", vom 12. Oktober 2007, auf einer separten Seite

Übersetzung vom Aufruf vom International PEN: "TÜRKEI: Der Internationale P.E.N. protestiert gegen Verurteilungen nach Paragraph 301", vom 12. Oktober 2007

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Verbindung zur Vergrößerung. Bildbeschreibung untenstehend. © radio-luma
Verbindung zur Vergrößerung des Fotos auf einer separaten Seite. Bildbeschreibung nebenstehend. Foto: © radio-luma

Gesamter O-Ton der PRESSEKONFERENZ am 11.10.2007 vom P.E.N.-Zentrum Deutschland im Pressezentrum der Frankfurter Buchmesse
Thema: Writers-in-Prison-Bericht 2007 - Bekanntgabe der postumen Verleihung der Hermann-Kesten-Medaille an Hrant Dink, dessen Witwe sie am 15. November entgegennehmen wird.
Hrant Dink wurde am 19. Januar 2007 ermordet und war Herausgeber der türkisch-armenischen Zeitschrift "Agos".

 

Der O-Ton, Länge 57:12 Minuten, steht als mp3-Datei nachfolgend in drei Größen zur Verfügung:

48 KB/s mp3-Datei (rd. 20 MB)
URL: http://www.o-ton.radio-luma.net/mp3/2007-10-11_pk_pen-de_buchmesse_frankfurt_48.mp3

96 KB/s mp3-Datei (rd. 41 MB)
URL: http://www.o-ton.radio-luma.net/mp3/2007-10-11_pk_pen-de_buchmesse_frankfurt_96.mp3

192 KB/s mp3-Datei (rd. 82 MB)
URL: http://www.o-ton.radio-luma.net/mp3/2007-10-11_pk_pen-de_buchmesse_frankfurt_192.mp3

Bildbeschreibung: Die TeilnehmerInnen der Pressekonferenz (v.l.n.r.):
Katja Behrens (Vizepräsidentin und Writers-in-Prison-Beauftragte des P.E.N-Zentrums Deutschland), Maynat Kurbanova (tschetschenische Journalistin), Ernst Wegener (Regierungsdirektor, Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst), Prof. Dr. Wilfried F. Schoeller (Generalsekretär des P.E.N.-Zentrums Deutschland), Anja zum Hingst (Leiterin Kommunikation, PR und Marketing des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels e.V.) und Dr. Sigfrid Gauch (Vizepräsident und Writers-in-Exile-Beauftragter des P.E.N-Zentrums Deutschland)

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Weitere Informationen im Internet:
Die Internetpräsenz vom P.E.N.-Zentrum Deutschland erreichen Sie unter: www.pen-deutschland.de.

Veröffentlichung dieser Seite am 15. Oktober 2007


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