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Abschrift vom Interview mit:
Donat M'Baya Tshimanga, Präsident der Organisation Journaliste en danger (JED),
Kinshasa, Demokratische Republik Kongo

von Michael Kegler im Auftrag für Neues Deutschland, dankenswerterweise honorarfrei als Übernahme für radio-luma.net, vom 13. November 2005. Die wortgenaue Abschrift ist von Michael Kegler.
Michael Kegler im Internet: www.novacultura.de.
Simultane Übersetzung während des Interviews: Sabine Hartmann - www.hartmann-sabine.de.

Zum Interview als O-Ton auf einer separaten Seite


Michael Kegler: Können Sie uns kurz die Schwerpunkte Ihrer Arbeit skizzieren?

Donat M'Baya Tshimanga: Journaliste en Danger haben die tägliche Aufgabe und die Aufgabe, Journalisten zu verteidigen, die Medien zu verteidigen und das Recht der Öffentlichkeit auf freien Zugang zu Informationen zu verteidigen.

Michael Kegler: Welche Gefahren herrschen im Kongo für die Freiheit des Wortes?

Donat M'Baya Tshimanga: Wissen, Sie, es gibt im Kongo keine Freiheit des Wortes, solange es keine Möglichkeit gibt, Kritik frei äußern zu können. Die Mächtigen in unserem Land dulden keinerlei Kritik. Sie dulden keinen Widerspruch. Und da sie dies nicht dulden, verfolgen sie die Journalisten. Sie organisieren Attentatsversuche, um Journalisten einzuschüchtern, sie lassen Journalisten einsperren, mit oder auch ohne Gerichtsverfahren, Journalisten werden bedroht oder direkt tätlich angegriffen, Journalisten leiden unter administrativen Repressalien, willkürlichen Vorladungen, oder es werden Medien verboten oder beschlagnahmt.

Michael Kegler: Gibt es eine offizielle, das heißt gesetzmäßig festgeschriebene Zensur im Kongo?

Donat M'Baya Tshimanga: Offiziell gibt es im Kongo keine Zensur, und doch gibt es Zensur durch die Gewalt der Mächtigen. Es ist eine indirekte Zensur durch den Druck, der auf die Journalisten ausgeübt wird.

Welche Interessengruppen stehen hinter diesem Druck auf die Journalisten? Sie werden ja auch persönlich bedroht ...
Ja, da wir Journalisten verteidigen, stehen wir an vorderster Front und sind in besonderem Maß exponiert. Wir haben Morddrohungen erhalten und man hat uns wiederholt beschimpft.
Jeder, der auch nur ein Wenig Macht hat - politische Macht oder wirtschaftliche Macht - oder auch hochrangige Militärs nutzen ihre Macht dazu, Journalisten oder Medien zum Schweigen zu bringen.

Können Sie einschätzen was sich geändert hat in den letzten Jahren. Genauer: Gibt es einen Unterschied zwischen heute und der Mobutu-Diktatur?
Als Mobutu die Macht verlor, hat die Bevölkerung dies mit großer Freude begrüßt. Es es war das Ende eines 32 Jahre andauernden diktatorischen Regimes. Doch die allgemeine Freude der Bevölkerung hielt nicht an angesichts des sehr merklich langsamen Tempos der Veränderungen. Heute, um dies ganz kurz zu sagen, muss man sagen, dass die Hoffnungen der Bevölkerung enttäuscht wurden.
Das Land wird weiterhin regiert wie ein herrenloses Land. Die unschätzbaren Reichtümer der Demokratischen Republik Kongo kommen der Mehrheit der Bevölkerung nicht zu Gute - wie seinerzeit unter Mobutu. In den Krankenhäusern fehlen Medikamente, es werden keine neuen Schulen gebaut, es werden keine neuen Straßen gebaut. Das heißt, das Elend geht weiter, als sei Mobutu weiter an der Macht.

Michael Kegler: Kann man beziffern, wie viele Journalisten derzeit in der Demokratischen Republik Kongo im Gefängnis sitzen?

Donat M'Baya Tshimanga: Die meisten Journalisten werden nicht lange festgehalten. Wir machen sehr viel Druck, denn im Gefängnis kann man nicht lang aushalten. Also werden sie meist schnell wieder freigelassen. Im Augenblick, da wir dieses Interview führen, sind zwei Journalisten im Gefängnis. Einer ist Patrice Booto. Er wurde festgenommen, weil er eine Information veröffentlicht hat, die den Präsidenten der Republik beschuldigt, Gelder ins Ausland transferiert zu haben, als sich im Kongo die Lehrer im Streik befanden. Die Regierung behauptet, diese Information sei falsch. Die beiden Zeitungen, die diese Information veröffentlicht hatten, wurden verboten. Der Direktor einer der Zeitungen, Patrice Booto wurde festgenommen. Im Verlauf des Verhörs wurde ihm ein Revolver an den Kopf gehalten,und man hat ihm gesagt, entweder du nennst uns den Namen derjenigen, die dir diese Information gegeben haben, oder wir schießen. Aus Angst um sein Leben hat er schließlich die Quelle genannt. Auch diese Person wurde dann unmittelbar festgenommen.
Der zweite Journalist sitzt nicht wegen seiner Arbeit im Gefängnis . Es handelt sich hier um einen Menschen mit psychischen Problemen. Er ist im öffentlichen Rundfunk aufgetreten und hat aus seiner psychischen Verfassung heraus verkündet, dass er die Macht im Land übernehmen wolle. Er ist nun seit zwei Monaten in Haft, wurde bei der Festnahme misshandelt, dabei gehört er in ein psychiatrisches Krankenhaus.
Der schlimmste Fall aber hat sich am 3. November ereignet: Ein Journalist und seine Frau wurden ermordet, in ihrer eigenen Wohnung, vor den Augen ihrer Kinder. In den anschließenden Untersuchungen hat sich schnell herausgestellt, dass der Journalist wegen seiner Arbeit ermordet worden ist.
Dies ist eine katastrophale Situation für die Meinungsfreiheit in unserem Land.

Es gelingt ihnen aber, erfolgreich Druck auf die Behörden auszuüben und die Freilassung von Kollegen zu erreichen. Als ist ihre Arbeit erfolgreich? Spielen Kontakte ins Ausland da eine Rolle?
Ja, um die Freiheit der Presse zu verteidigen, darf man nicht alleine sein. Man muss in ein weltweites Netzwerk eingebunden sein. Unsere Länder sind sehr auf ihr Ansehen im Ausland bemüht. Immer, wenn die ausländische Presse schlechtes über sie berichtet, reagieren sie sehr sensibel. Und diese Verwundbarkeit machen wir uns zunutze, mobilisieren unsere Partner in aller Welt, üben Druck auf sie aus und kommen so zum Erfolg.
In aller Bescheidenheit möchte ich sagen, dass wenn es unsere Organisation nicht gäbe, die Situation in unserem Land hundert mal schlimmer wäre.

Michael Kegler: Eine Frage zu „Journaliste en Danger Afrique“: Funktioniert Ihre Organisation bereits in allen afrikanischen Ländern? Gibt es Länder in Afrika, die man als „sichere“ Länder für Journalisten bezeichnen kann?

Donat M'Baya Tshimanga: Ja, um die letzte Frage zuerst zu beantworten: Die Länder, in denen man als Journalist unbehelligt arbeiten kann, gibt es. Burundi ist ein Land, das sicher ist für Journalisten. Dort gibt es keine inhaftierten Journalisten. Kongo Brazzaville kann man nennen. Dort gibt es eine Gesetz, das es verbietet, Journalisten ins Gefängnis zu stecken. Dies sind nur einige Beispiele. Südafrika ist ein weiteres. Benin auch, bis vor Kurzem auch Senegal, aber jüngst wurden dort auch wieder Journalisten gefangen genommen.
Wir im Kongo arbeiten mit 8 anderen Ländern Zentralafrikas zusammen, den acht französischsprachigen Ländern Kongo Brazzaville, Ruanda, Burundi, Zentralafrikanische Republik, Gabun, Kamerun, Tschad, Äquatorial Guinea.

Michael Kegler: Mit den englisch- und portugiesischsprachigen Ländern gibt es keine Kontakte?

Donat M'Baya Tshimanga: Nein, wir konzentrieren uns auf Zentralafrika. Die Pressefreiheit zu verteidigen ist eine gewaltige Arbeit. Wir haben nicht die Mittel, ganz Afrika abzudecken. Die Pressefreiheit zu verteidigen ist teuer, und wir haben viel zu wenige Sponsoren, die bereit wären, unsere Arbeit finanziell zu unterstützen.

radio-luma.net: Kann man von Europa aus Geld spenden? Gibt es auf ihrer Internetseite (www.jed-congo.org) den Hinweis auf eine Kontonummer?

Donat M'Baya Tshimanga: Auf unserer Internet-Seite gibt es keinen Hinweis für Menschen, die uns Geld spenden wollen. Wer uns aber etwas spenden möchte, kann dies über unsere ausländischen Partner tun. Das heißt, wenn Sie PEN Deutschland Geld für uns überweisen, wird uns dieses Geld auch erreichen.

Vielen Dank und viel Erfolg weiterhin für Ihre Arbeit.


Das Interview führten Michael Kegler für die Tageszeitung Neues Deutschland www.neues-deutschland.de sowie Christoph Urbanietz für radio-luma.net.
Simultane Übersetzung: Sabine Hartmann - www.hartmann-sabine.de.

Weitere Informationen im Internet:
Journaliste en Danger Kongo: www.jed-congo.org
Journaliste en Danger Afrique: www.jed-afrique.org
PEN-Zentrum Deutschland: www.pen-deutschland.de
Writers in Prison Committee / International PEN: www.internationalpen.org.uk